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Künstler-Interview mit Wolfgang Graue

20.06.2018 geschrieben von Victoria Hein in Künstler hautnah
Wolfgang Graue Pouring Trifft Realistische Ölmalerei

Gerstaecker: Bitte stellen Sie sich selbst zunächst unseren Lesern kurz vor.

W. Graue: Mein Name ist Wolfgang Graue. Ich lebe mit meiner Familie in Adelheidsdorf bei Celle, bin gerade 70 Jahre geworden und genieße das Rentendasein.


Gerstaecker: Wie und wo entdeckten Sie ihre Begeisterung für die Kunst?

W. Graue: Eigentlich schon in der Grundschule. Meine Kunstlehrerin sagte mir damals „Wolfgang, du und die Kunst – das wird mal was“.

Bis zum Abitur habe ich tatsächlich weiter gemalt, aber dann war für die Kunst keine Zeit mehr. Bundeswehr, Studium der BWL, Beruf, Familie, Freunde, Vereine – all das führte letztlich dazu, dass ich den Pinsel nicht mehr in die Hand genommen habe - leider.

Aber gleich nach meiner Pensionierung vor nunmehr 11 Jahren habe ich meine alte Liebe wiederentdeckt – die Kunst.


Gerstaecker: Wie fanden Sie Ihren Weg zum Acrylic Pouring?

W. Graue: Nach einer theoretischen „Farbenlehre“ und viel Lesen und Probieren begann ich mit der Ölmalerei – für mich eine „Königsdisziplin“ - das wollte ich schon immer. So lange ich zurückdenken kann, habe ich immer realistisch gemalt und abstrakt hat mir nie Spaß gemacht. Meine Motive stammen aus der Natur und den Begegnungen mit Menschen. Im Internet und in „Youtube“ habe ich vor etwa 1 Jahr zum ersten Mal abstraktes „Acrylic Pouring“ gesehen. Das war der Beginn zu einer weiteren Leidenschaft von mir.


Gerstaecker: Was fasziniert sie an dieser Technik besonders?

W. Graue: Vor Allem eines – solche Formen, Farben und Farbverläufe kann man mit keinem Pinsel erzielen. Jeder kann das versuchen und bekommt auch ein Bild zustande, vieles ist zufällig aber trotzdem kann man mit intensiver Technik und Üben einen gewissen Einfluss auf das fertige Bild nehmen.


Wolfgang Graue Abstrakt Trifft Real Tänzerin

Gerstaecker: Welche Erfahrungen haben Sie mit unterschiedlichen Gießmedien gemacht, gibt es Unterschiede? Welches ist Ihr Favorit?

W. Graue: Man kann noch soviel über diese Malweise lesen, man kann sich noch soviel in Youtube ansehen, es ersetzt auf keinen Fall das Ausprobieren und Üben in der Praxis.

Zu Beginn habe ich es mit guter Farbe und lediglich Wasser als Verdünnung versucht – ein vergeblicher Versuch – es fehlte die Bindung. Dann habe ich es mit Liquitex als Giessmedium versucht und die Ergebnisse waren unterschiedlich (manchmal mit Rissen) aber alles in Allem brauchbar. Das war aber teuer und war oft ausverkauft.

Eine Malfreundin, die erheblich bessere Ergebnisse erzielt hat, hat mir ihr Rezept verraten. Floetrol in Verbindung mit GAC 800, dieses beide führte zu den besten Ergebnissen bei mir – war aber noch teurer – und teilweise konnte man es überhaupt nicht kaufen.

An dieser Stelle bin ich sehr froh, das Gerstaecker sein Sortiment um das „Acrylic Pouring“ erweitert hat. Endlich kann ich zentral über eine Stelle die notwendigen Materialien einkaufen. Noch schöner wäre es, wenn ich auch die vielen Kleinigkeiten bei Ihnen kaufen könnte, die zum Pouring Alltag gehören – wie Holzumrührer, geeignete Becher, Einmalhandschuhe, Bunsenbrenner, Schutzunterlagen, etc.



Gerstaecker: Was halten Sie von PVA- oder Vinyl-Kleber als Alternative zum Pouring Medium?

W. Graue: Da ich GAC 800 eine zeitlang nicht bestellen konnte, habe ich bislang nur einen Kleber als Ersatz für GAC 800 gearbeitet – Master Medium Weissleim - also in Verbindung mit Floetrol- und das hat wunderbar funktioniert. Im Moment bin ich dabei, den Venylkleber von Gerstaecker zu testen – der war/ist aber leider oft nicht lieferbar. Wir werden sehen.


Gerstaecker: Wie beschreiben Sie Ihr perfektes Mischverhältnis von Wasser, Medium und Farbe?

W. Graue: Nun das hängt stark auch von der Acrylfarbe, die ich einsetze, ab. Hauptsächlich arbeite ich mit Gerstaecker Basic und Amsterdam und da ist mein ideales Mischverhältnis: 30 g Farbe + 10 g Floetrol + 10 g GAC 800 oder den o.g. Kleber. Wasser mische ich nach Bedarf hinzu, bis die Masse leicht vom Span läuft.


Wolfgang Graue Abstrakt Trifft Real Frau Am Bach

Gerstaecker: Mischen Sie Ihren Farben Silikon bei? Wenn ja, In welchem Arbeitsschritt?

W. Graue: Ja ich mische Silikon mit bei, damit ich schöne, intensive und große Zellen bekomme. In weiß und oder schwarz kommt bei mir meistens kein Silikon und zusätzlich lasse ich ab und zu auch eine der übrigen Farben ohne Silikon. Das Silikon gebe ich möglichst kurz vor dem Giessen – 3-5 Tropfen - dazu und rühre nur sehr vorsichtig um.


Gerstaecker: Arbeiten Sie mit Hitze? Wenn ja, vor oder nach dem Fließen?

W. Graue: Ja ich arbeite mit einem kleinen Gasbrenner der eigentlich in der Küche z.B. für eine Brûlée verwendet wird. Je nach Dicke der Farbe, die ich auf die Leinwand gegossen habe, torche ich sowohl vor als auch nach dem verteilen über die gesamte Leinwand.


Gerstaecker: Flip Cup, Dirty-Pour oder Puddle-Pour – Bei welcher Technik erzielen sie die schönsten Ergebnisse?

W. Graue: Jede der genannten Techniken bringt andere Ergebnisse, ob das eine besser ist als das andere, liegt einzig im Auge des Betrachters und ich habe schon mit allen 3 gearbeitet. 2 weitere schöne Möglichkeiten, die ich liebe sind das „Swipen“ und das Giessen ohne Silikon in der “Ring-Technik“.


Gerstaecker: Sie Mischen in Ihren Bildern nicht nur die Farben und Medien, sondern auch die Techniken. "Abstrakt trifft Real" - Wie kam es dazu?

W. Graue: Nachdem ich die ersten Acrylic Pouring Bilder gegossen habe und diese mir auch zunehmend gefallen haben, waren die Bilder für meinen Geschmack „nicht fertig“. Mir fehlte meine gewohnte realistische Malweise, und etwas real Erkennbares auf dem Motiv. Also habe ich versucht beide Malweisen miteinander zu kombinieren und war gespannt, ob das funktioniert und wie es aussehen würde. Also habe ich meine Motive auf das getrocknete Acrylbild mit einer Ölfarbe gemalt. Da habe ich aber sehr viel „Lehrgeld“ zahlen müssen und so manches Bild habe ich entsorgt, denn der Untergrund eines gegossenen Bildes ist nicht immer eben und eignet sich dafür.


Acrylic Pouring Und Klassische Malerei Fantastische Welten Von Wolfgang Graue


Gerstaecker: Wie gehen Sie an ein neues Bild heran? Haben Sie bereits eine konkrete Vorstellung im Kopf oder kommt die Idee zum Motiv beim Gießen?

W. Graue: Zu Anfang habe ich mir meine Pouring Bilder angesehen und mir die Frage gestellt, was könnte ich in dieses Bild integrieren, ohne den Charakter des Pouring Bildes zu zerstören. Das war zu Beginn also alles mehr oder weniger Zufall. Das hat mir aber nicht genügt, ich wollte mehr, wollte ein Pouringbild beeinflussen. Ich hatte also eine klare Vorstellung vom realen Motiv und habe nun versucht, das Pouringbild so zu giessen, dass dieses Motiv in meinem Kopf mit dem Guss harmoniert.


Gerstaecker: Welche Rolle spielt die Farbauswahl bei Ihren Bildern? Steht Sie im Bezug zu Motiv, Stimmung oder Thema?

W. Graue: Natürlich spielen die Farben dabei eine große Rolle. Wenn ich z.B. einen Menschen oder auch ein Tier im Wasser malen wollte, kommen natürlich die klassischen Meerfarben zum Einsatz – permanent grün – türkis – hellblau – dunkelblau. Auf bunte Farben z.B. ein Papagei, auf Brauntönen eine Schneeeule usw.

Farbwahl Nach Motiv Abstrakt Trifft Real Wolfgang Graue


Gerstaecker: Inwieweit verarbeiten Sie persönliches in Ihren Bildern?

W. Graue: Meine Persönlichkeit liegt in der realistischen bis fotorealistischen Malweise mit wasservermalbaren Ölfarben. Mit dieser Malweise kann ich mich identifizieren und feile seit über 11 Jahren an dieser Technik. Meine Kinder haben mir mal gesagt „Papa, deine Malweise ist schön, du solltest aber auch das Moderne nicht vergessen“. Das habe ich beherzigt und heraus gekommen ist mein neuer Malstil „Abstrakt trifft real“.


Gerstaecker: Ein Blick in die Zukunft: wo soll die kreative Reise hingehen?

W. Graue: Ich möchte diese neue Sicht-und Malweise möglichst vielen zeigen und plane etliche Ausstellungen. Vielleicht wird es ja in Kürze eine Ausstellung oder sogar einmal einen Kurs mit mir geben bei Gerstaecker?

Wie bedanken uns herzlich bei Wolfgang Graue für das Interview und die Anregungen.

Mehr zum Künstler:

Wolfgang Graue
Vogelbeerweg 8
29352 Adelheidsdorf

Wolfgang-graue@gmx.de
www.wgraue.de
https://www.facebook.com/wolfgangcelle18/

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