Trendthema Granulierende Aquarellfarben

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Für leidenschaftliche Aquarellisten ist es zurzeit kaum möglich, sich dem Trendthema „Granulierende Farben“ zu entziehen. Die speziellen Farben gewinnen in der Aquarellmalerei immer mehr an Bedeutung. Nahezu alle namhaften Aquarellfarben-Hersteller bieten mittlerweile ganze Sortimente der Effekt-Farben an. In Foren wird angeregt über die Vorzüge aber auch über die vermeintlichen Schwächen der Farben diskutiert. In diesem Blogbeitrag möchten wir Ihnen die Trendfarben näherbringen.




Was sind granulierende Aquarellfarben?

Granulierende Aquarellfarben unterscheiden sich von normalfließenden Aquarellfarben in ihrer Oberflächenwirkung. Die Farben trocknen nicht gleichmäßig. Sie bilden beim Vermalen kleine Pünktchen, Flecken und winzige Strukturen. Dadurch wirken sie „scheckig“ bzw. „flockig“. Die erzeugte Struktur wird auch gerne als „körnig“ bezeichnet.




Wie entsteht die Granulierung?

Der Effekt kann auf zweierlei Weise entstehen: Entweder durch stellenweises Zusammenschließen von leichteren Pigmentteilchen auf dem Papier oder durch das Absetzen von schweren Pigmentteilchen in die Struktur des Papieres.

Granulierende Aquarellfarben verfügen über einen gewissen „Eigenwillen“. Dadurch sind sie auf der einen Seite zwar schwieriger zu kontrollieren, auf der anderen Seite lassen sich damit jedoch bestimmte Motive besonders lebendig und ausdrucksstark gestalten. Verständlich, dass diese Eigenschaften nicht jedem Künstler gleichermaßen zusagen – ja, es scheiden sich ein wenig die Geister an den granulierenden Aquarellfarben.



Für welche Motive sind granulierenden Aquarellfarben geeignet?

  • Granulierende Farben verleihen nicht-glatten Motiven eine erstaunliche Lebendigkeit.
  • Oberflächen von natürlichen Motiven lassen sich mithilfe der Farben besonders natürlich darstellen.
  • Sehr gut geeignet zum Strukturieren von sonst homogenen Flächen, z. B. von (schmutzigen) Hausfassaden und dichten Wäldern.
  • Rostige, industrielle und alte Oberflächen wirken besonders authentisch.
  • Größere Flächen und Hintergründe wirken natürlicher und detaillierter, ohne vom Hauptmotiv abzulenken.


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Wie verwende ich granulierende Aquarellfarben?

Die Pigmente von granulierenden Aquarellfarben wollen schwimmen!

Granulierende Aquarellfarben werden in der Regel lasierend verarbeitet. Sogar opake granulierende Farben benötigen mehr Wasser als gewöhnliche Aquarellfarben. Ohne ausreichend Wasser kann nicht der „flockige“ Effekt entstehen, der den Motiven ihren einzigartigen Look verleiht.

Die Granulation entsteht durch kleine, in der Farbe schwimmende Pigmentflöckchen. Wird die Aquarellfarbe zu dicht verarbeitet, kann sich der körnige Effekt nicht entfalten. Besonders gut gelingen Struktureffekte, wenn die Farbe direkt auf dem Blatt gemischt wird.

Granulierende Aquarellfarben lassen sich hervorragend untereinander mischen. Durch das Mischen von zwei oder mehreren granulierenden Farbtönen verstärken Sie sogar den Granuliereffekt. Auf diese Weise erzielen Sie außergewöhnliche Farbverschiebungen. Beim Mischen darf nach Herzenslust experimentiert werden. Einige Farbtöne sind dominanter. Andere, z. B. stark lasierende Farben, sind schwächer in der Wirkung. Durch unterschiedliche Mischungsverhältnisse variieren Sie die Farbwechseleffekte.



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Welches Papier verwende ich für granulierende Aquarellfarben?

Die Auswahl des Papiers hat einen großen Einfluss auf das Verhalten von granulierenden Farben.

Raue und strukturierte Papiere, wie z.B. Torchon, sind ideal geeignet, um besonders ausgeprägte Granuliereffekte zu erhalten. Je glatter das Papier desto zarter die Granulierung.

Grundsätzlich sind alle Papiere, die für die Nass-in-Nass Technik geeignet sind, auch für das Granulieren geeignet. Zudem erweist sich ein hoher Anteil an Baumwolle als vorteilhaft.

Bei stark saugenden Papieren empfiehlt es sich, die Zugabe von Wasser zu erhöhen. Satinierte (hot-pressed) Papiere sind eher schlechter geeignet zum Granulieren. Bei diesen Papieren besteht die Gefahr von unansehnlichen Pigmentwolken oder Rissbildung.

Woran erkenne ich granulierende Aquarellfarben beim Einkaufen?

Viele Hersteller kennzeichnen die Produkt-Verpackungen oder Banderolen ihrer granulierenden Farben mit einem „G“ für „Granulierend“. Bei Farbkarten hilft oft ein Blick auf die Zeichenerklärung der Piktogramme. Immer häufiger ist hier neben Transparenz und Lichtechtheit auch ein Hinweis auf die Granulierung angegeben.



Granulierende Aquarellfarben: mehr als nur ein Trend?

Granulierende Aquarellfarben sind als Trendthema noch recht jung. Aber wirklich neu sind die Farben nicht. Jahrelang galten sie als verpönt. Farbenhersteller hatten stets versucht, granulierende Effekte in ihren Farben zu vermeiden. Erst als Aquarellisten die Technik bewusst einsetzten, produzierten auch die Hersteller gezielt granulierende Farben.

Granulierende Farben erweitern das Gestaltungs-Potential in der Aquarellmalerei. Es erfordert ein wenig Geduld und Übung, bis man die Technik beherrscht. Dennoch sollten Sie, wenn Sie sich von den Ergebnissen angesprochen fühlen, ruhig einmal mit den Effektfarben experimentieren.

Manch ein kritischer Zeitgenosse sieht in den granulierenden Aquarellfarben nur einen vorübergehenden Trend. Doch vieles deutet daraufhin, dass die Farben dauerhaft ihren festen Platz in der Aquarellmalerei etablieren werden.

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